Michael-Balint-Klinik
Mittwoch, 12. Dezember 2018 
 

Der Lebenslauf von Mihály Maurice Bergsmann

 
 

3. Dezember 1896 Mihály Maurice Bergsmann wird in Budapest geboren. Später ändert er seinen Namen, gegen den Willen seines Vaters, zu Michael Balint. Außerdem wechselt Balint auch die Religion vom jüdischen Glauben und wird Unitarier (Vertreter eines liberalen rationalistischen Christentums). Sein Vater war praktischer Arzt in Budapest. Die eineinhalb Jahre jüngere Schwester Emmi studierte Mathematik und hatte als Klassenkameraden unter anderem Margaret Mahler und Alice Székely-Kovács, Balints spätere Ehefrau.

Oktober 1918 Balint beendet sein Medizinstudium in Budapest. Medizin war nicht sein ursprüngliches Hauptinteresse (er studierte dieses Fach mehr auf das Drängen des Vaters hin). Er beschäftigt sich schon vor Ende der Studiums ausgiebig mit Physik, Biochemie, analytischer Chemie und Mathematik. Während des ersten Weltkrieges wird er an die Front eingezogen, zuerst in Russland, dann in den Dolomiten.

1918 Auf Anregung von Alice liest Balint Freuds "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" (1905) und "Totem und Tabu" (1912/1913) und ist fortan "süchtig nach Psychoanalyse". In der Folge besucht er die Vorlesungen Sándor Ferenczis, der 1919 der Welt erster Universitätsprofessor für Psychoanalyse wurde.

Um 1920 Michael und Alice Balint, die inzwischen verheiratet sind, gehen nach Berlin. Michael arbeitet im biochemischen Labor des späteren Nobelpreisträgers Otto Warburg. Alice ist in einem Museum für Völkerkunde tätig. Balint macht daneben sein Doktorat in Biochemie und arbeitet halbtags am Berliner Institut für Psychoanalyse. An der Charité behandelt er psychosomatische Patienten und führt erste Psychoanalysen mit solchen Patienten durch. Ihre analytische Ausbildung machen Alice und Michael bei Hanns Sachs am Berliner Psychoanalytischen Institut.

1924 Die Balints kehren nach Budapest zurück, wo Michael zwei Jahre zu Frenenczi in Analyse geht. Schon bald spielt er in der ungarischen Psychoanalyse eine führende Rolle.

1926 Balint wird zum ordentlichen Mitglied der Budapester Psychoanalytischen Vereinigung gewählt. 1931 wird er bereits ihr Vizepräsident und Mitglied der Unterrichtskommission. Seine ersten Vorträge behandeln Themen wie: "Analytische Deutung von Magensymptomen", "Ein Fall von psychischer Impotenz" oder "Fälle aus einem Ambulatorium für Magenkranke".

Anfang der 30er Jahre Balint initiiert ein Seminar, in dem er mit praktischen Ärzten die psychotherapeutischen Möglichkeiten der täglichen Praxis studiert. Die politischen Bedingungen in Ungarn der 30er Jahre waren aber äußerst schwierig. Alle Namen der Teilnehmer mussten der Polizei angegeben werden und bei jeder Sitzung war ein Polizist in Zivil anwesend, der sich eifrig notierte, was gesprochen wurde. Da unter solchen Umständen eine offene Diskussion nicht möglich war wurde das Seminar bald aufgelöst.

Ende der 30er Jahre Balint, seine Frau Alice und ihr Sohn John emigrieren nach Manchester, England.

29. August 1939 Alice verstirbt plötzlich im Alter von 40 Jahren. Balint bleibt vorerst in Manchester und wird psychiatrischer Berater am Northern Royal Hospital und Direktor zweier Erziehungsberatungsstellen.

Juli 1944 Heirat mit Frau Edna Oakeshott. Diese Beziehung endet bald, wird aber erst 1952 geschieden.

1945 Balint erfährt vom Tod seiner Eltern. Sie haben Selbstmord begangen, als sie von den ungarischen Nazis verhaftet werden sollten. Im gleichen Jahr übersiedelt er von Manchester nach London und setzt dort seine Arbeit mit praktischen Ärzten in Gruppen fort.

1945 und 1948 Balint erlangt den "Master of Science" für Psychologie mit einer Dissertation über "Individual differences of behaviour in early infancy"

1949 Er lernt seine spätere Frau Enid kennen. Mit ihr zusammen entwickelt er das Konzept der sogenannten Balintgruppen. Als sie sich kennen lernen arbeitet Enid bereits im Tavistock Institute of Human Relations mit einer Gruppe aus Sozialarbeitern und Psychologen (noch keine Ärzte) mit der Idee, Untersuchungen über Eheschwierigkeiten anzustellen. Michael übernimmt die Leitung der Gruppe und sie beginnen zusammen in Art der Balint-Gruppe zu arbeiten.

1950 Die erste Gruppe mit praktischen Ärzten entsteht.

1953 Heirat mit Enid Flora Eichholz.

1968 Balint wird zum Präsidenten der Britischen Psychoanalytischen Vereinigung

31. Dezember 1970 Unerwartet verstirbt Michael Balint im Alter von 74 Jahren.

Sie können sich den Lebenslauf auch als PDF-Dokument speichern.


Mit ICRA gekennzeichnet
Startseite